Tag für Tag, Knochen für Knochen
6.I.24
Seit einigen Jahren trinke ich zwei Gläser Wasser, sobald ich, noch kaum wach, auf den Beinen bin. Die Strecke zur Küche, direkt neben dem Schlafzimmer, lege ich taumelnd zurück, mit schlechter Haltung und halb geöffneten Augen. Mit jedem Schluck aus einem orangefarbenen Plastikbecher, der früher dem jüngsten Familienmitglied gehörte, richtet sich der Körper auf, sozusagen Knochen für Knochen. Auch der Blick klärt sich. Die Schlucke sind zugleich gierig und behutsam. Nur lauwarmes Wasser aus dem Wasserhahn taugt; fern sind die Morgen mit Saft oder eiskaltem Sprudel. Wenn der Becher zum zweiten Mal leer ist – einmal wäre zu wenig, dreimal zu viel –, fühle ich mich auf diese wunderbare Weise wach, die bedeutet, dass die Träume genau das geworden sind: Handlungen in einer Parallelwelt, und ich fortan zur vertikalen Schar der Wachgewordenen gehöre. Für einen kurzen Moment bin ich sogar überzeugt, dass ich, als die Tasse geleert wurde, heimlich Sonnenwasser trank.