Ground Zero

24.IV.24

Seit zwanzig? fünfundzwanzig? Jahren tausche ich Postkarten mit einem Freund aus. Auf einer Karte wird eine Frage gestellt, auf einer anderen die Antwort gegeben. Die einzigen Regeln: Der Platz muss ausreichen, der Text also sowohl sparsam als auch prägnant sein, zudem muss immer die Wahrheit gesagt werden. Neulich habe ich über das Gefühl der »großen Leere« nachgedacht, das sich hin und wieder im Leben einstellt. Das Gefühl, das einen Menschen denken lässt: War das alles? Das Gefühl, das aus Vergänglichkeit, Demütigungen und Glanz besteht. Was sagt sich ein Mensch in solchen Momenten?

Wenn ich darüber nachdenke, was ich selbst hätte antworten können, verschlägt es mir die Sprache. Die Momente, in denen mich dieses Gefühl überkommt, sind nicht unzählig, aber zu zahlreich, um sie wegzuwedeln oder als Zufall abzutun. Dann besinne ich mich auf die Sprachlosigkeit und darauf, dass sie den Anfang von allem darstellt. Die beste Antwort gab Kurt Tucholsky in einem anderen Zusammenhang: »Wo ein Loch ist, ist auch ein Rand.«